Ueber Anja

Man sieht nur mit dem Herzen gut…

Die erste Rolle der gebürtigen Wuppertalerin (Elberfeld!) ist die der Blume in: “Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry.
Die Theater-AG der Else-Lasker-Schüler-Schule widmet sich jeden Dienstag nach Mathe diesem Klassiker unter den Kinderbüchern –  und um die kleine Blume Anja ist`s geschehen. Und da man bekanntlich nur mit dem Herzen gut sieht, beschließt sie selbigem auch zu folgen … und zur Schauspielschule zu gehen.
Seit ihrem Abschluß an der Schauspielschule Theaterwerkstatt Mainz war sie in mehr als 50 Rollen auf deutschen Bühnen zu sehen. Blumen finden sich zwar nicht darunter, dafür in der Weihnachtsmärchenzeit gerne mal Bienen, Grillen, Libellen, und die sind Blumen ja bekanntlich sehr zugetan.

Was ist ein Name ? Was ich Rose nenn / mit jedem Namen riechts genauso süss.

Anja Lenßen spielt als Debütantin die Eve im „Zerbrochnen Krug“, Regisseur Thomas Janßen wählt die selten gespielte  Variant-Fassung Kleists, in der Eve am Ende des Stückes einen fast 20 minütigen Monolog hält. Aber die grosse Liebe folgt in Gestalt der Julia – ja, die von Romeo. Ob`s an den Rosen liegt – oder hat es ihr Shakespeare so angetan ? Immerhin spielt sie die Helena in : „Ein Sommernachtstraum“ gleich dreimal in drei verschiedenen Übersetzungen .

In der (bislang) letzten Produktion als Helena in Coburg begeistert sie die Kollegen mit Textimprovisationen, in denen ihr drei mögliche Formulierungen munter durcheinander purzeln…. “Ich bin Dein Hund – ääh… Hündchen, ach nee, Dein Spaniel!“ – ja so ist das, wenn Schlegel-Tieck mit Erich Fried kämpft. Jetzt wäre es dann mal nett – als Abwechslung zur lustigen Hundeschar – dieTitania zu spielen…oder Puck…oder Zettel ???!!!?!
Aber Shakespeare hat ja nun wirklich genug Stücke geschrieben –  und ist in Anjas Bühnenrepertoire ein treuer Begleiter: Ihre erste Hosenrolle ist die Viola in:” Was Ihr wollt” und es folgt kurz darauf die Katherina in : „Der Widerspenstigen Zähmung“ mit Vespa, Petticoat und Adriano Celentano.

Der zweite treue Begleiter ist Schiller. Die Johanna in „Die Jungfrau von Orléans” kostet sie Schweiss, Tränen und beinah den kleinen Finger,  in „Kabale und Liebe“ sowie „Don Karlos“ wendet sich das Blatt : Die Intrigantinnen Lady Milford und Prinzessin Eboli bereichern das Spektrum – Maria Stuart bleibt bislang (noch) Vorsprechrolle.

Einen gepackten Reisewagen und einen Dolch sollt ein jeder haben…

In enger Zusammenarbeit mit der Autorin und Freundin Sabine Friedrich beginnt eine völlig neue Schaffensperiode, an deren Ende die Uraufführung :„Immerwahr- Theaterstück für eine Frau in zwölf Rollen“, steht.

Clara Immerwahr (1870-1915) war die erste Frau, die es schaffte, an einer deutschen Universität einen Doktortitel im Fach Chemie zu erringen. Im Jahr darauf heiratete sie den genialen Chemiker und späteren Nobelpreisträger Fritz Haber, der auch als Erfinder des Gaskriegs gilt. 1914 stellte der glühende Patriot, auch er wie seine Frau jüdischer Herkunft, sich und sein Institut ganz in den Dienst der Kriegsmaschinerie. Nachdem ihr Mann persönlich den ersten Giftgasangriff der Geschichte geleitet hatte, erschoss sich Clara in der Nacht vom 1. auf den 2. Mai 1915 im Garten der Haberschen Dienstvilla mit der Waffe ihres Mannes.

Sabine Friedrich begleitet die Proben und nimmt Ideen und Änderungen erfreut an und mit nach hause, um am nächsten Tag eine neue Textfassung zu präsentieren – ein großer Glücksfall. Die Produktion unter der Regie von Sven Ruppert wird zu den Jüdischen Kulturtagen nach München eingeladen und Sabine Friedrich veröffentlicht bei dtv den wunderbaren, unbedingt empfehlens- und lesenswerten  Roman :„Immerwahr“.

Unter den zeitgenössischen Autoren begeistern Anja ansonsten Ronald Schimmelpfennig, Lukas Bärfuss und Felicia Zeller. Die Titelrolle in “Alices Reise in die Schweiz” von Lukas Bärfuss beendet Anjas Selbstmord-Spielzeit (eröffnet wurde sie mit der depressiven Tochter in: “Nacht, Mutter”). Seitdem fordert sie festangestellte Theater-Therapeuten…bislang erfolglos.

Thank you for the music !

ABBA bringt es auf den Punkt : Musik und Musizieren ist etwas Wunderbares….& selbstinitierte Projekte auch.
Zum Beispiel mit dem Damensalonorchester Bonbonniere und wechselnden Band- und Chanson-Programmen,  auch auf hoher See, an Bord von Kreuzfahrtschiffen ( zu hören unter Audio).
Das Literagout, die seit Jahren immer wieder aktualisierte Live-Koch-Show, harrt noch auf ihre Thüringer Premiere.

Wieso Thüringen ?
Seit der Spielzeit 2011/2012 ist Anja Lenßen am traditionsreichen Staatstheater Meiningen engagiert.
Die erste Premiere war in den Kammerspielen als Alkmene in der “Amphitryon”-Inszenierung von Matthias Kniesbeck.
Und mit einer ihrer Wunsch- und Traumrollen beendete sie ihre erste Spielzeit : Goethes : “Iphigenie auf Tauris” in der Regie von Murat Yeginer, die als Inszenierung des Jahres ausgezeichnet wurde.
2013 wird Sohn Milo geboren und das Theater rückt für ein Jahr in den Hintergrund. Im September 2014 darf sie mit einer Kracherrolle die Spielzeit eröffnen : Die “Phädra” von Racine in der selten genommenen Übersetzung von Friedrich Schillernd unter der Regie von Lars Wernecke. Was für ein Fest, so aus der Elternzeit zurückkommen zu dürfen !  Und wie geht`s weiter ? Ihr werdet es hier unter Neuigkeiten erfahren !

Ansonsten : Kommet herbei nach Meiningen im schönen Thüringen und stimmet ein mit Richard Wagner, der einst sprach:  „Es gibt viele Meinungen aber nur ein Meiningen.“